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Deutschland und Belgien: bilaterale Beziehungen

19.06.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen der beiden Nachbarstaaten Belgien und Deutschland sind eng, vertrauensvoll und gut. Als Gründerstaaten der Europäischen Union (EU) verbindet beide Länder das jahrzehntelange Engagement für Aufbau und Vertiefung der EU. In außen-, europa-, sicherheits- und wirtschaftspolitischen Fragen besteht zwischen beiden Ländern sowie im EU-Rahmen eine enge Abstimmung. Dies wirkt sich auch positiv auf die Zusammenarbeit als nichtständige Mitglieder (beide in der Periode 2019-2020) des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen (VN) aus.

Belgien reichte trotz zweimaliger Besetzung durch deutsche Truppen 1914-1918 und 1940-1945 der jungen deutschen Demokratie schnell die Hand zur Versöhnung. Bereits 1956 konnte der Deutsch-Belgische Grenz- und Entschädigungsvertrag geschlossen werden.

Im NATO-Rahmen waren zu Zeiten des Kalten Krieges große Teile der belgischen Streitkräfte in Deutschland stationiert. Nach dem Abzug (Abschluss in 2004) hat dies für die deutsch-belgischen Beziehungen nur noch eine historische Bedeutung, aber es blieben aus dieser Präsenz viele zwischenmenschliche Verbindungen und in der Zivilgesellschaft bestehen.

Begegnungen zwischen Deutschland und Belgien

Deutschland und Belgien verbindet ein hochrangiger und intensiver Besucherverkehr. Zu diesem zählen:

  • Besuche des Bundespräsidenten Gauck bei König Philippe (Staatsbesuch im März 2016, Teilnahme am Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter in Brüssel und Eupen im September 2016), sowie der Antrittsbesuch von Bundespräsident Steinmeier (Juni 2017)
  • Besuch des Premierministers Michel bei Bundeskanzlerin Merkel und dem Bundespräsidenten (September 2016)
  • Teilnahme des Königs Philippe und des flämischen Ministerpräsidenten Bourgeois an der Eröffnung der Internationalen Frankfurter Buchmesse (Oktober 2016)
  • Verleihung der Universitäten Leuven und Gent einer Ehrendoktowürde an Bundeskanzlerin Merkel und ihr anschließendes Treffen mit König Philippe und Premierminister Michel (Januar 2017)
  • Weitere Treffen der Bundeskanzlerin und des Premierministers im EU-Rahmen und bilateral (u.a. März 2019 und Juni 2018 in Berlin)
  • Besuche von Bundesaußenminister Maas bei seinem belgischen Amtskollegen Reynders (Januar und März 2018)
  • Teilnahme von Bundesaußenminister Gabriel an der Gedenkveranstaltung zur dritten Flanderschlacht in Ypern (Juli 2017)
  • Zahlreiche bilaterale Besuche und Gespräche andere Bundesminister.
  • Besuch der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Parlamentariergruppe des Bundestags in Belgien (Februar 2017). Desweitern Besuche der Tourismus- und Petitionsauschüsse des Bundestags in Brüssel im August und Oktober 2018, sowie offizielle Reisen einzelner Abgeordneter des Bundestags oder hochrangiger Vertreter der deutschen Bundesländer nach Belgien

Wirtschaftliche Beziehungen

Deutschland ist für Belgien wichtigster Wirtschaftspartner. Umgekehrt ist Belgien für Deutschland der elftgrößte Handelspartner. Das deutsch-belgische Handelsvolumen betrug im Jahr 2018 circa 90,5, Mrd. Euro, die Handelsbilanz ist nahezu ausgeglichen (Germany Trade & Invest). Antwerpen ist für Deutschland ein wichtiger Import- und Exporthafen.

Die deutschen Direktinvestitionen in Belgien betrugen bis Ende 2017 rund 33,5 Mrd. Euro. Deutsche Investitionsschwerpunkte sind die chemische Industrie in Antwerpen und der Kraftfahrzeugbau in Brüssel. Die deutsche Wirtschaft ist mit einer großen Zahl von weiteren Firmenniederlassungen in Belgien vertreten. Daneben unterhalten zahlreiche deutsche Firmen und Verbände in Brüssel Repräsentanzen zur Interessenvertretung bei der EU. Ein wichtiger und gut eingeführter Akteur ist die in Brüssel und Köln ansässige Auslandshandelskammer Debelux (für Deutschland, Belgien, Luxemburg), die 2019 ihr 125 jähriges Bestehen seit Gründung als weltweit erste deutsche Außenhandelskammer feiert.

Belgien zeigt hohes Interesse am Modell der dualen Berufsausbildung. Die Außenhandelskammer (AHK) Debelux unterstützt belgische Unternehmen bei der Konzeption, Organisation und Umsetzung Dualer Berufsausbildung. In Ostbelgien, wo es eine mit dem deutschen System vergleichbare Duale Berufsausbildung gibt, ist die Jugendarbeitslosigkeit viel geringer als in anderen Teilen Belgiens.

Kulturelle Beziehungen

Schwerpunkte der Auswärtigen Kulturpolitik in Belgien liegen in der Förderung der deutschen Sprache in Schulen und Universitäten, bei Stipendien, Austausch-, Reise- und Prämienprogrammen, oftmals in Kooperation mit dem Goethe-Institut Brüssel.

Deutsch ist wegen der rund 77.000 deutschsprachigen Belgier im Osten des Landes dritte Landessprache. In belgischen Schulen wird Deutsch – neben den Zweitsprachen Französisch, Englisch oder Niederländisch – zumeist nur als dritte Fremdsprache angeboten und konkurriert mit Spanisch. Einen bedeutenden Beitrag Auswärtiger Kulturpolitik leistet auch die Internationale Deutsche Schule in Brüssel, die vom Kindergarten bis zum Abitur führt. Deutsche Abteilungen gibt es daneben in Brüssel an den vier Europäischen Schulen, der Europäischen Schule in Mol und der SHAPE International School in Mons. Seit 2008 gibt es im Rahmen des Partnerschulprogramms des Auswärtigen Amtes (PASCH-Initiative) in Antwerpen (Flandern) und in Seraing (Wallonie) je eine Partnerschule. Im Rahmen des zehnten Jahrestages der PASCH-Initiative ist 2018 eine weitere wallonische Schule (Arlon) ins Programm aufgenommen worden.

Die seit einigen Jahren in Belgien von Hochschulen veranstalteten Deutschlandjahre vermitteln ein modernes Deutschlandbild. Den Start machte 2011 die Universität Antwerpen. 2018 warb die niederländischsprachige Universität Hasselt für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen der Universität und Deutschland.

Rechtliche Grundlage der Kulturarbeit ist das deutsch-belgische Kulturabkommen vom 24. September 1956. Im Jahr 2012 wurde zusammen mit dem Goethe-Institut Brüssel ein deutsches Kulturforum in der Stadt Antwerpen etabliert, das als eine der 150 weltweit agierenden Kulturgesellschaften verzeichnet ist und Lesungen, Filmabende, Ausstellungen und Konzerte unter deutschem Vorzeichen veranstaltet.

Seit 2013 führt die deutsche Botschaft in Zusammenarbeit mit belgischen Experten (Cegesoma, In Flandern Fields Museum) einen Historikerdialog durch. Dabei diskutieren jeweils deutsche und belgische Wissenschaftler über Themen zur Geschichte beider Länder. Das Gedenken an den Ersten Weltkrieg steht dabei im Vordergrund.

2018 schloss die Botschaft vier Jahre eigene Aktivitäten zum Gedenken mit zwei Konferenzen ab: eine Podiumsdiskussion zum Thema „Der Erste Weltkrieg und seine Konsequenzen“ in Zusammenarbeit mit dem Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge und dem in Belgien zum ersten Mal initiierten Treffen zwischen deutschen und belgischen Doktoranden, die sich über die Frage „Erinnerung an den Ersten Weltkrieg: Nach vier Jahren Gedenken ein wiederkehrendes Ritual oder mehr?“ austauschten.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.


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