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Kultur- und Bildungspolitik

01.12.2017 - Artikel

Stand: Dezember 2017

Kulturpolitik

Nach der 1994 abgeschlossenen Verfassungsreform ist die Zuständigkeit für Kultur und Erziehung vollständig auf die drei Sprachgemeinschaften (Niederländisch, Französisch und Deutsch) übergegangen. Das bedeutet, dass die gesamte staatliche Kulturpolitik Belgiens in deren Kompetenz fällt. Jede der drei Gemeinschaftsregierungen ist dabei befugt, Verträge in ihrem Zuständigkeitsbereich mit ausländischen Staaten abzuschließen. Die Gemeinschaften haben in der Folge auch im Ausland ein eigenständiges Profil aufgebaut. An einigen belgischen Botschaften – so auch in Berlin - sind sie durch Referenten vertreten, die im Innenverhältnis der entsendenden Gemeinschaft unterstehen.

Bildungspolitik

Das Gewicht der Bildungspolitik in der Gesamtpolitik ist erheblich. Dies resultiert aus dem Sprachenstreit, der sich wie ein roter Faden durch die belgische Geschichte zieht und bei dem es um die Gleichstellung der niederländischen Sprache und flämischen Kultur mit der französischen geht. Die Bildungspolitik war auch eine der Kernfragen der im Juni 2001 nach langen Verhandlungen verabschiedeten Regionalreform (Accord de Lambermont), deren Ziel u.a. die Stärkung der Finanzkraft der die Bildungspolitik tragenden Gemeinschaften war.

Schulsystem

In Belgien gilt vom 6. bis zum 18. Lebensjahr die Schulpflicht. In diesem Zeitraum ist der Zugang zum Unterricht unentgeltlich, gleiches gilt auch für die Vorschulerziehung . Das Unterrichtswesen ist in Grundschul-, Sekundar- und Hochschulunterricht gegliedert und als Ganztagesunterricht organisiert.

Hochschulen

Es müssen an allen Einrichtungen Studiengebühren bezahlt werden. Ein Numerus clausus besteht nicht, allerdings gibt es in einigen Studienrichtungen (Kunst, nautische Wissenschaften, Zahn- und Humanmedizin, Ingenieurwissenschaften) Eignungsprüfungen. Zugangsvoraussetzung: Abschlusszeugnis der Oberstufe des Sekundarunterrichts. Ausländische Studierende müssen vor Studienbeginn eine Sprachprüfung in der jeweiligen Unterrichtssprache ablegen.

Kultur

Kultur nimmt in Belgien einen hohen Stellenwert ein. Das Palais von BOZAR (Museum der Schönen Künste) in Brüssel ist mit mehreren hunderttausend Besuchern jährlich der größte Publikumsmagnet. Sein Pendant in Charleroi erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit.  Die Theater weisen ebenfalls hohe Besucherzahlen auf. Zu den beliebtesten zählen u.a. das KAAI-Theater und le Théâtre National de Belgique. In Ostbelgien wurde 1980 ein professionelles und renommiertes Ensemble der freien Szene gegründet, das AGORA-Theater, es ist das einzige deutschsprachige Theaterensemble Belgiens.

Renommiert und verbreitet sind Straßenfestivals. So präsentieren sich zum Beispiel bei « Namur en Mai » oder auf dem «kunstenfestivaldesarts» in Brüssel internationale Künstler einem breiten und internationalen Publikum. Bei letzterem fand 2016 eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland im Rahmen des Deutsch-Französischen Kulturfonds statt. Die Performance «Welcome to Caveland» eines Berliner Künstlers bot dabei Künstlern und Intellektuellen aus beiden Ländern eine Plattform für Vorträge und künstlerische Darstellungen.

Großer Beliebtheit erfreuen sich die jährlich stattfindenden Musikfestivals aller Richtungen und aus aller Welt. Die bekanntesten sind u.a. das «Brussels Sommer Festival», «Tomorrowland », «Rock Wechter», Festival de Dour und Brossella.

Seit 2016 findet im März im Schloss La Hulpe (Provinz Wallonisch-Brabant) das Festival Arts’ifices statt. 2017 wurde Deutschland zum ersten Ehrengast dieses Festival auserkoren. Dazu sind Volksfeste sehr beliebt – sie gelten in Belgien als Besuchermagneten. Beispiele sind die renommierten «Fêtes de Wallonie» in Namur (2013 war Deutschland Ehrengast), das Fête du Doudou in Mons oder auch die «Genste Feesten» in Gent, welche jeweils an die 250.000 Gäste verbuchen konnten.

1969 wurde in Brüssel «Europalia », ein in der Welt in dieser Form einmaliges, internationales und interdisziplinäres Kulturfestival, gegründet. Es findet alle zwei Jahre statt und präsentiert das Kulturerbe eines Gastlandes (2015 ind der Türkei, 2017 in Indonesien).

Ein Blick auf die Regionen: Die Wallonische Region setzt seine Schwerpunkte im Bereich der digitalen Künste und gründete zwei Festivals: das KIKK-Festival in Namur und das Festival IMPACT in Lüttich. Flandern konzentriert sich auf Architektur und Modedesign, so sind die Hochschule von La Cambre oder die Königliche Akademie für Schöne Künste Antwerpen Vorreiter in diesen Bereichen.

 

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