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Belgien: Kultur- und Bildungspolitik

19.06.2019 - Artikel

Kultur

Belgien hat eine breitgefächerte und vielfältige Kultur.

  • Malerei: Das 14. Jahrhundert war die Blütezeit der Malerei in Flandern. Namen wie Brueghel, Rubens und Van Dyck sind allen geläufig, aber auch die Gebrüder van Eyck, sowie van der Weyden und Memling zählen zu den bedeutendsten Repräsentanten der flämischen Malerei. Später kommen in Belgien die Romantik und der Symbolismus zur Blüte. Der Surrealismus, dessen wichtigste belgische Vertreter René Magritte („Ce n’est pas une pipe“) und Paul Delvaux waren, erscheint wie die Antwort der Kunst auf den Irrsinn des ersten Weltkriegs. Eine weitere typisch belgische Facette der Kunst ist die sogenannte Neuvième Art, die belgischen Bandes Dessinées, die Comics, die weltweit geliebt werden, seien es nun Lucky Luke, Tim und Struppi, die Schlümpfe, Gaston Lagaffe oder Spirou und Fantasio.
  • Architektur: Die architektonischen Meisterwerke der Renaissance, die in den historischen Städten Belgiens wie Antwerpen, Brüssel, Gent, Brügge und Mecheln zu finden sind, sind weltweit bekannt. Ende des 19. Jahrhunderts war Belgien eines der Zentren des Jugendstils, dessen berühmtester belgischer Vertreter der Architekt Victor Horta war. Henry van de Velde wiederum gehörte der Bauhaus-Bewegung an. Sein bekanntestes Werk ist De Bloemenwerf in Brüssel oder auch in Deutschland die Weimarer Villa Dürckheim.  Belgien ist ebenfalls ein Zentrum der Industriekultur und hat jeweils vier Bergbau-Industriekulturdenkmäler und Schiffshebewerke, die Teil des Unesco-Weltkulturerbes sind.
  • Literatur: Zu den bekanntesten Vertretern der belgischen Literatur zählen der Nobelpreisträger (1911), Dichter und Dramatiker Maurice Maeterlinck, Gorges Simenon, Autor der Maigret-Romane, sowie Emile Verhaeren, der u. a. für seine pazifischen Gedichte zu Beginn des Ersten Weltkriegs berühmt ist.
  • Musik: Die belgische Musikszene ist breit aufgestellt: Belgische Musiker und Sänger wie Jacques Brel (Chanson) oder Toots Thielemans (Jazz) sind aus der Weltkultur nicht mehr wegzudenken. Stromae, Angèle, Hooverphonic sind heute feste Größen in den weltweiten Charts. Der jährlich stattfindende Internationale Königin-Elisabeth-Musikwettbewerb hat bereits einer Vielzahl von Musikern als Sprungbrett für eine internationale Karriere gedient, und das Programm des Kunst- und Kulturzentrums BOZAR in Brüssel begeistert die Liebhaber klassischer Musik. Belgien ist ebenfalls bekannt für seine beliebten Festivals und Straßenfeste, die Musikkünstler aus aller Welt zusammenbringen. So präsentieren sich zum Beispiel bei „Namur en Mai“ oder auf dem „kunstenfestivaldesarts“ in Brüssel internationale Künstler dem Publikum. Bei Letzterem fand 2016 eine Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland im Rahmen des Deutsch-Französischen Kulturfonds statt.  Auch die Umzüge zur Karnevalszeit (in Alost, Binche, Stavelot) sind Beispiele für lebendiges Brauchtum. Schließlich finden in Belgien, das sich in den letzten Jahren zu einer europäischen Drehscheibe für Filmproduktion entwickelt hat, auch zahlreiche Filmfestivals wie z.B. das FIFF (Namur), das Festival du Film d’Amour (Mons) und das BIFF (Brüssel) statt.
  • Ausstellungen und Theater: Das BOZAR (Palast der Schönen Künste) in Brüssel ist mit mehreren hunderttausend Besuchern jährlich der größte Publikumsmagnet Belgiens was Ausstellungen, Filme und Konzerte betrifft. Die Theater weisen ebenfalls hohe Besucherzahlen auf. Zu den beliebtesten zählen u.a. de Koninklijke Vlaamse Schouwburg (Brüssel), das KAAI-Theater (Brüssel), le Théâtre National de Belgique sowie das Théâtre de Liège.

Sport

Vom Radfahren (Eddy Merckx); über den Fußball (Les Diables Rouges/Die Roten Teufel); Formel-1  (Jacky Ickx, Thierry Boutsen, Stoffel Vandoorne); Judo (Ingrid Berghmans); Leichtathletik (Nafissatou Thiam) bis hin zur Gymnastik (Nina Derwael) ist Belgien gut aufgestellt.

Kulturpolitik

Nach der 1994 abgeschlossenen Verfassungsreform ist die Zuständigkeit für Kultur und Bildung vollständig auf die drei Sprachgemeinschaften (Niederländisch, Französisch und Deutsch) übergegangen. Jede der drei Gemeinschaftsregierungen ist dabei befugt, Verträge in ihrem Zuständigkeitsbereich mit ausländischen Staaten abzuschließen und bauem somit seitdem ihre eigenen Beziehungen im Bereich Kulturpolitik mit dem Ausland auf.

Schulsystem

In Belgien gilt vom 6. bis zum 18. Lebensjahr die Schulpflicht (bis 16 Jahre Vollzeitschulpflicht, danach Teilzeitschulpflicht). In diesem Zeitraum ist der Zugang zum Unterricht unentgeltlich, gleiches gilt auch für die Vorschulerziehung. Das Unterrichtswesen ist in Grundschul-, Sekundar- und Hochschulunterricht gegliedert und als Ganztagsunterricht organisiert. Das Gewicht der Bildungspolitik in der beligschen Politik ist erheblich. Dabei geht es zum Beispiel um den Wettbewerb zwischen der niederländischen Sprache und flämischen Kultur einerseits und der französischen Kultur und Sprache andererseits. Das belgische Schulmodell wurde auch ins Ausland exportiert, wie zum Beispiel nach Marokko, Kongo, Burundi und Rwanda.

Hochschulen

Studiengebühren müssen an allen Einrichtungen bezahlt werden. Einen Numerus Clausus gibt es nur für das Medizin- und Zahnarztstudium. Einige Studienrichtungen (Kunst, nautische Wissenschaften, Humanmedizin, Ingenieurwissenschaften) haben jedoch Eignungsprüfungen eingeführt. Ausländische Studierende müssen vor Studienbeginn eine Sprachprüfung in der jeweiligen Unterrichtssprache ablegen 

Deutsch-belgische kulturelle Beziehungen

Nicht nur in Ostbelgien werden die bilateralen kulturellen Beziehungen gelebt. Das 2009 gegründete Deutsche Kulturforum Antwerpen, das unter anderem vom Goethe-Institut Brüssel und der Stadt Antwerpen finanziell unterstützt wird, bildet beispielsweise die deutsche Kunstszene umfassend ab, wie auch zahlreiche Galerien im Land. 2018/2019 ist die Ausstellung „Berlin 1912-1932“ im BOZAR ein Highlight auf dem deutsch-belgischen Kulturkalender. Zu den engen Beziehungen trägt auch das 2016 gegründete Belgien-Zentrum der Uni Paderborn bei. An belgischen Universitäten wiederum werden seit 2009 Deutschlandjahre organisiert. Ziel dieses Projektes ist es die wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Belgien zu vertiefen und nachhaltig zu gestalten.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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