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Belgien: Wirtschaft

19.06.2019 - Artikel

Bruttoinlandsprodukt

2017 hat Belgien ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,7% und 2018 von 1,4% erzielt. Für 2019 wird weiter mit Wachstum (Prognose von Germany Trade & Invest: 1,3%) gerechnet.

Wirtschaftsstruktur

In der belgischen Wirtschaft dominierte 2017 der Dienstleistungssektor mit circa 77%. Trotz der großen industriellen Tradition des Landes repräsentiert die verarbeitende Industrie nur noch circa 17% des Bruttoinlandsprodukts. Die wichtigsten Industriezweige Belgiens sind die pharmazeutische und chemische sowie die nahrungsmittelverarbeitende Industrie. Der Anteil des Bausektors beträgt circa 5% des Bruttoinlandsprodukts, der des Agrarsektors lediglich 0,7% Prozent.

Arbeitsmarkt und Arbeitskosten

Die Arbeitslosigkeit lag 2018 bei 6% und soll im Jahre 2019 laut Prognose von Germany Trade & Invest auf 5,6% zurückgehen. Von 2015 bis 2017 wurden 176.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, davon 55.000 im Jahr 2016 und 69.000 im Jahr 2017 (Belgische Nationalbank). Nach Schätzungen der Belgischen Nationalbank werden in dem Zeitraum von 2018 bis 2021 etwa 150.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die liberal-konservative Koalition unter Premierminister Michel hat seit 2014 eine Reihe von Wirtschaftsreformen durchgeführt, insbesondere die sogenannte „Steuerumschichtung“, mit der die Lohnstückkosten gesenkt und so die wirtschaftliche Entwicklung Belgiens begünstigt wurde; infolge dessen ist auch die Arbeitslosigkeit gesunken. Die belgische Wirtschaft profitiert gleichzeitig von der guten Konjunktur in Europa.

Haushaltslage

Die Staatsverschuldung bleibt trotz leichtem Rückgang vergleichsweise hoch (2018: 102,0%, Prognose für 2019: 101,3%, Quelle: Germany Trade & Invest). Nachdem das Haushaltsdefizit 2018 dank Einsparmaßnahmen und dem wirtschaftlichen Aufschwung nur bei 0,7% des Bruttoinlandsprodukts lag, erwartet Germany Trade & Invest, dass das Defizit bis 2020 auf 1,5% steigen wird.

Inflation

Die Inflationsrate 2018 lag bei 2,3% und wird Schätzungen von Germany Trade & Invest zufolge bis 2020 durchschnittlich auf etwa 1,6% sinken.

Außenhandel

Belgiens Volkswirtschaft ist stark in die Weltwirtschaft integriert. Die Außenhandelsquote (Summe aus Exporten und Importen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt) betrug laut Germany Trade & Invest 2018 171,9% (eine der höchsten Quoten weltweit), die Exportquote (Exporte in Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt) 2018 87,5%. Dank seiner zentralen Lage in Europa ist Belgien stark in das europäische Handelsnetz eingebunden und hat als wichtigste Handelspartner Frankreich, Deutschland und die Niederlande.

Belgiens Handelsbilanz mit Deutschland ist fast ausgeglichen: 2018 betrugen die deutschen Ausfuhren nach Belgien 44,4 Mrd. Euro (2017: 44,3 Mrd.), die Einfuhren 46,1 Mrd. Euro (2017: 40,3 Mrd.).

Zu den großen deutschen Unternehmen in Belgien zählen in der Industrie BASF Antwerpen, Evonik, Bayer, Covestro, Lanxess, Henkel, Siemens und Bosch. Einzig verbliebener deutscher Autobauer ist Audi Brussels. Im Handel sind Galeria Inno (Kaufhof), Makro/Metro, MediaMarkt, Lidl und Aldi zu nennen. In Deutschland sind zum Beispiel das belgische Chemieunternehmen Solvay, der Übertragungsnetzbetreiber Elia durch seine Tochterfirma 50Hertz oder das 3-D-Druck-Unternehmen Materialise aktiv .Im Jahr 2017 betrugen die deutschen Direktinvestitionen in Belgien 33,5 Mrd. Euro, die belgischen Direktinvestitionen in Deutschland 9,2 Mrd. Euro.

Energie- und Umweltpolitik

2017 betrug der Gesamtstromverbrauch Belgiens 80,3 TWh. Es deckt seinen Elektrizitätsbedarf zu knapp 60% aus Nuklearenergie, 27% aus fossilen Energieträgern und 13% aus eneurbaren Energien. Der Atomausstieg wurde 1999 entschieden und wurde von der Regierung Guy Verhofstadt im Jahr 2003 bis 2025 geplant. Dies wurde von darauffolgenden Regierungen bestätigt, jedoch hat die Regierung Michel die Laufzeit der beiden ältesten Atomreaktoren Doel 1 und Doel 2 von 2015 auf 2025 verlängert. Der im März 2018 zwischen der Föderalregierung und den Regionen beschlossenen Energiepakt sieht vor, dass zur Sicherung der Energieversorgung neue Gaskraftwerke gebaut werden sollen. Der Prozess ist bis jetzt noch nicht abgeschlossen. 

Belgien ist auch von ausländischen Energieimporten abhängig. Wesentliche energiepolitische Zuständigkeiten liegen bei den Regionen (Flandern, Wallonien und Brüssel-Hauptstadt). Für Atomkraft und Offshore-Windparks in der Nordsee (877 MW von 2.850 MV installierter Produktionskapazität aus Windkraftanlagen), die in großem Umfang ausgebaut werden, ist dagegen die Föderalregierung zuständig. Wie für die Energiepolitik besteht auch für die Umweltpolitik eine zwischen den Regionen und dem Föderalstaat geteilte Zuständigkeit.

Das deutsch-belgische Projekt ALEGrO (Aachen Lüttich Electricity Grid Overlay) der Netzbetreiber Elia und Amprion ist die erste direkte Stromverbindung zwischen beiden Ländern mit einer Länge von circa 90 km (davon 49 km in Belgien). Die unterirdische Stromverbindung mit einer Transportkapazität von rund 1.000 MW (circa 10% des durchschnittlichen Stromverbrauches in Belgien) soll vor allem zur Versorgungssicherheit beitragen. Die Arbeiten haben im Januar 2018 begonnen. Das Projekt im Rahmen der Trans-European Energy Networks (TEN-E) soll 2020 fertiggestellt sein.

Hinweis:
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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