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Jour de l'Unité Allemande 2019 - Allocution de l'ambassadeur

TDE 2019

TDE 2019, © FKPH

08.10.2019 - Article

Lisez ici le discours de S.E. Monsieur Martin Kotthaus, Ambassadeur de la République fédérale d’Allemagne auprès du Royaume de Belgique, prononcé à l’occasion des festivités du Jour de l’Unité allemande.


Sehr geehrter Herr Minister De Crem,

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Paasch,

Sehr geehrte Abgeordnete des Europäischen Parlaments,

Lieber MdEP und ehemaliger Minister Kris Peeters,

Meine Damen und Herren,

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Mesdames, Messieurs,

Dames en heren,

Ladies and Gentlemen,

Ich freue mich, dass so viele gekommen sind. Wäre ja auch schade gewesen nach den vielen Mühen von Herrn Rhein und den Kolleginnen, die Sie begrüßt haben, wenn wir heute unter uns geblieben wären.

Das erste Jahr als deutscher Botschafter in Belgien liegt hinter mir. Es war ein tolles, intensives, ereignisreiches, an vielen, vielen Eindrücken reiches Jahr. Ich war in ganz Belgien unterwegs, von Nord nach Süd, vom Westen in den Osten. Ich habe nachgeholt, was ich in 15 Jahren an der Rue de la Loi im Europaviertel verpasst habe. Und freue mich mit meiner Familie jeden Tag neu, wieder in Brüssel, aber dieses Mal in Belgien zu sein.

Un grand nombre de mes rendez-vous, majoritairement ceux tout au long de l’automne et de l’hiver de l’année passée, étaient consacrés à la commémoration de la fin de la Première Guerre mondiale. Le point culminant, sonnant parallèlement le glas des festivités, fut assurément le 11 novembre 2018, jour où furent organisées des commémorations à la fois à Bruxelles, à Laeken, à Namur et à Ypres. Cette année-ci, nous commémorons la libération de la Belgique de la terreur nazie il y a 75 ans et je suis très reconnaissant d’être invité, en ma fonction d’ambassadeur allemand, non seulement à participer aux différents évènements commémoratifs, mais encore souvent à m’y exprimer. Il y a tout juste deux semaines de cela, alors que j’accompagnais Sa Majesté le Roi au pèlerinage annuel au Fort de Breendonk, j’ai été particulièrement ému à la vue, une fois de plus, de la démonstration si nette des crimes perpétrés en Belgique au nom de l’Allemagne. Un des survivants de ce camp de concentration, auprès de qui je tentai de m’excuser pour ce que des Allemands lui avaient fait subir, me dit : «  Mais, Monsieur l’Ambassadeur, c’est le passé, ça ! Aujourd’hui, nous avons l’Europe.  » Ses paroles m’ont profondément touché. Comme tant d’autres rencontres avec des survivants de la terreur nazie ou avec les membres de leurs familles, d’ailleurs.

Aber ich durfte auch viele Verbindungen in die reiche Kultur des Landes umfassend und weit über Brüssel hinaus knüpfen: von dem gar nicht so furchterregenden Drachen beim Doudou de Mons, der jedes Jahr gegen den Heiligen Georg verliert, über den Karneval in Stavelot mit den Blancs Moussis, Theater und Konzerte u.a. in Brüssel, Eupen, Antwerpen und Liège, großartigen Ausstellungen und Konferenzen u.a. zu Bauhaus und den 1920er Jahren bis hin zu einem fliegenden, lilafarbenen Nilpferd als Ballerina unter dem Dach des Musée des Beaux-Arts, welches Victor Horta in Tournai gebaut hat. Vor zwei Wochen konnten wir im Rahmen der « Fête de la Bande Dessinée » in Brüssel den deutschen Comic-Künstler « Flix » aus Berlin begrüßen, der erste deutsche Zeichner von « Spirou » in der Geschichte dieser Serie mit dem Band « Spirou in Berlin ». Letzte Woche haben wir das Deutschlandjahr an der Universität Mons gestartet und die Veranstaltungsreihe « Les Deutschlands » im Flagey, inklusive der Möglichkeit « Rent a German ». Die Botschaft macht dabei auch mit, aber mir war es wichtig, dass es keine Veranstaltung gibt, die « Rent an Ambassador » heißt. Das wäre dann doch zu leicht zu missverständlich gewesen. Ich hoffe, viele von Ihnen in den nächsten Monaten im Flagey zu sehen!

Maar ook de talrijke, veelzijdige Belgische hogescholen en universiteiten, alsook de vele scholen, waar Duits wordt geleerd, maken indruk op mij. Natuurlijk zouden er nog meer kunnen zijn, vandaar de inspanningen van onze dames Lamand en Beger. Bijzonder goed onderhouden en nauw was ook het contact met de internationale Duitse School van Brussel. Hier is het ons ook nog eens gelukt, de Duits-Franse banden te verstevigen. En ja, we werken allen samen aan het nieuwe schoolgebouw.

What we should not forget, and my dear colleagues von Wagner and Hiltermann remind me every day, is the fact that the Belgo-German relations are in many ways not only political but very much so economic relations as well. We were happy to celebrate 125 years of the Chamber of Commerce DeBeLux. And there have been many interesting developments in the area of energy, as the ongoing construction of the interconnector between Aachen and Liège ALLEGrO with a future capacity of 1 GW, or the close interconnection between Belgian and German companies as Elia and 50Hertz and the inauguration of a gigantic electrical plug, a ‘Steckdose’ in the sea close to Zeebrugge in order to connect the offshore windmills with the land.

Sie wissen, dass die belgischen Häfen für die deutsche Wirtschaft und vor allem NRW (an Bayern arbeiten die noch) und BASF in Antwerpen, die ja gerade wieder 500 Millionen Euro in Belgien investieren wollen, von höchster Bedeutung sind. Gemeinsam mit unseren belgischen Partnern und auch mit meinem belgischen Kollegen Willem van de Voorde in Berlin arbeiten wir an einer besseren Eisenbahnanbindung nach Antwerpen. Die hochmoderne Fabrik von Audi in Brüssel, wo der erste elektrische Audi-SUV, der « etron » produziert wird, ist aber ebenfalls ein wichtiges Mosaikstück der deutsch-belgischen Beziehungen, wie auch die sechste ICE-Verbindung nach Brüssel und Brussels Airlines. Jedes Mal, wenn ich den « Tim und Struppi »-Flieger erwische, freue ich mich besonders.

Je dois aussi des remerciements au monde politique belge – à tous les niveaux – car de toutes parts, je n’ai rencontré que des portes ouvertes et des oreilles attentives et, partout, je n’ai connu qu’aimable assistance. Nous avons même pu organiser une conférence belgo-allemande avec nos ministres des Affaires étrangères et des représentants éminents du monde politique et économique de nos pays respectifs. Un engagement pareil dans des années d’élections et des périodes de formation de coalition n’est pas chose qui va de soi et ne fait que démontrer combien nos relations sont bonnes et intenses.

Echte Highlights der letzten 12 Monate waren die beiden Reisen des Königspaars nach Deutschland. Einmal die Reise nach Berlin mitsamt wunderbarem Konzert in der Berliner Philharmonie und dann die Reise nach Thüringen und Sachsen-Anhalt. Die sowieso schon hervorragenden Beziehungen unserer beiden Länder wurden dadurch weiter vertieft – und lassen Sie mich als Augenzeugen sagen: dem Königspaar flogen die Herzen der Deutschen zu, nicht wahr Ministerpräsident Paasch?

Ladies and Gentlemen, this has been a tremendous year. All of us at the embassy, including me and my deputy Volker Timmermann who arrived at the same time as I have, are very thankful. But now… what is there to come, what will the future bring us? We are living in a transition phase. Transition in climate and energy questions. Transition in technology. Transition in international politics. Old rules apply no longer or only partially, new questions arise and new worries and sorrows. While we all would like to know how the world of tomorrow looks alike, if not to know which bets to place, the future is uncertain. There are some fantastic scenarios, which paint a great future where technology has solved many issues and where peace, prosperity and democracy reigns; and there are less favorable scenarios. Nothing is cast in stone – it is up to us to choose our destiny by our decisions and actions.

Dass ich als SS20/Pershing2-Zeitzeuge würde erleben müssen, dass der INF-Vertrag über Mittelstreckenraketen gekündigt werden würde, hätte ich vor fünf Jahren nicht als meine größte Sorge formuliert. Dass wir im Nahen und Mittleren Osten an militärischen Konflikten entlang schrammen, oder dass immer noch unklar ist, was aus den internationalen Handelsbeziehungen wird, das alles kann uns nicht kaltlassen.

Bijzondere aandacht is aan het thema klimaat te besteden. Want de voorspellingen van vorige week met betrekking tot de klimaatverandering, die in het slechtste geval een stijging van een meter boven de zeespiegel al vóór het jaar 2100 aankondigen, is een alarmsignaal voor alle kustgebieden, dus ook in Duitsland en in België. Dat tegelijkertijd een zestienjarige meisje met de steun van talloze jongelui rond de wereld – ook in België – het klimaatthema naar de voorpagina’s van de kranten haalt en daarmee de verkiezingen weet te beïnvloeden, mag ons hoopvol stemmen. Het toont dat iedereen iets kan ondernemen, iedereen iets kan veranderen, als we ons engageren. Bij het thema klimaatverandering moeten wij samen actief stappen zetten, als we aan onze kinderen een leefbare wereld willen nalaten. Regeringen kunnen het kader voorzien, maar elke burger moet zelf iets doen, in zijn eigen privé-omgeving.

Was die internationale Politik insgesamt betrifft, muss man wohl festhalten, dass der Wandel von der bipolaren zunächst in eine monopolare und nun in eine multipolare Welt, die größte Veränderung ist. Klassische Allianzen sind unter Druck gekommen, die internationale Ordnung, die wir alle für gegeben hielten, wankt. Es gibt auf einmal eine Vielzahl an potentiellen Großmächten. Viele Staaten haben Zugang zu Hightech und Hightech-Waffen, viele Staaten können nunmehr Satelliten starten oder sogar zum Mond fliegen. Und nicht nur Staaten, sondern auch private Firmen. Einige der Konsequenzen dieser multipolaren Welt sind vermehrte Reibereien, Konkurrenzkämpfe und auch internationaler Terrorismus. Weitere Konsequenz dieser Auflösung und des Rückbesinnens auf das Nationale ist die Schwächung der internationalen Ordnung.

Il n’est donc que logique que l’Allemagne fasse partie – précisément côte à côte avec la Belgique et la France – de l’Alliance pour le multilatéralisme, lancée avec succès la semaine passée à New York. Nous sommes fermement convaincus que des problèmes globaux ne peuvent pas être résolus par un pays seul. Nous devons travailler ensemble, coopérer plus, et ceci dans le contexte d’institutions internationales fortes, au sein de l’Union européenne, mais justement aussi dans le cadre des Nations Unies. Actuellement, la Belgique et l’Allemagne occupent chacune, et pour deux ans, un siège de membre non permanent au sein du Conseil de Sécurité. Ceci entraîne une responsabilité particulière.

Ondanks alle crisissen, waarmee we geconfronteerd worden, heeft de internationale orde, die op regels gebaseerde is, ons in de geschiedenis van de mensheid een ongekende vrede en welvaart opgeleverd. We moeten deze orde tegen waardevermindering en minachting beschermen. We moeten ze bovendien aan de nieuwe uitdagingen en technologische ontwikkelingen - gaande van nieuwe wapensystemen tot de digitale revolutie - aanpassen. En dan moeten we ze ook hervormen, zodat ze zich inclusiever opstelt, representatiever en doeltreffender wordt.

I am sure that the upcoming German presidency of the Council in the second half of 2020 will reflect these issues. I would be utmost surprised if migration, climate, East-West and North-South divide would not play a role. We have to safeguard the inner peace and the coherence of the EU. Only a united Europe will be taken seriously on the international level. We have to bring South and North, West and East together, we have to safeguard the future of our kids. At the same time, Germany is very much interested in strengthening the international power and standing of the EU. Thus, there will be an EU-China Summit with all member states on board. Not only the Commission or the President of the European Council or 17 states on one side, but all member states will be present. We believe this to be a strong signal for a United Europe, a Europe capable of acting together. I hope you realized that I cautiously did not use any number for the « all member states » – and that is all you will hear from me on this tonight. And I have faith that all financial issues will be solved by the current and the upcoming presidency.

Lassen Sie mich zum Schluss auf das schönste Kapitel der deutschen Geschichte der letzten 50 Jahre kommen: der Fall der Mauer jährt sich in wenigen Wochen zum dreißigsten Mal. Außenminister Heiko Maas benutzte den Begriff « magische Momente », als er am Montag in Prag vom Mauerfall und der berühmten Rede seines Vorgängers Genscher, bei der er die Ausreise der mehr als 4000 DDR-Flüchtlinge in der deutschen Botschaft in Prag ankündigte, sprach. Das habe niemanden kaltgelassen, meinte der Minister. Und: « Wenn es einen Schrei nach Freiheit gibt, dann hat man ihn da gehört. » Wolfgang Ischinger, der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, twitterte gestern, dass er damals einen der Züge begleitet habe und als dieser dann die Grenze nach Deutschland überschritten hatte, alle « Freiheit » brüllten. Inklusive er selber. Nichts habe ihn in seiner langen Karriere mehr berührt. Und ich bin mir sicher, dass hier viele im Raum sind, die sich an ihre Gefühle erinnern können, als die Bilder aus Berlin über die Fernseher flimmerten. Ein wahres Glück in der deutschen Geschichte. Dass daraus eine Erfolgsgeschichte wurde, haben wir in nicht geringem Maße unseren europäischen und damit auch unseren belgischen Freunden zu verdanken.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Bedanken möchte ich mich auch bei meinem großartigen Team der Botschaft, das mir das erste Jahr so leicht gemacht und für Sie alle heute einen schönen Empfang bereitet hat.

Bedanken möchte ich mich aber auch bei meiner Frau und meinen Kindern. Denn die sehen mich zu selten. Aber sie entdecken gemeinsam mit mir Belgien und fühlen sich hier genauso wohl wie ich. Dank Ihnen allen, dank den Belgierinnen und Belgiern!

Ich bitte nun den frisch wiedergewählten Ministerpräsidenten der deutschsprachigen Gemeinschaft Oliver Paasch, einige Worte an Sie zu richten. Nächstes Jahr ist der 100. Geburtstag der deutschsprachigen Belgier. In diesen 100 Jahren war nicht immer alles einfach – oft im Gegenteil, aber ich bin beeindruckt, wie sehr die knapp 78.000 Menschen in Ostbelgien es heute verstehen, ihre Lage an der Grenze und die EU auf das Beste zu nutzen. Sie leben jeden Tag Europa und sie leben damit nicht schlecht. Und noch eines ist wichtig: der zweitgrößte Fanclub des 1. FC Köln weltweit ist in Eupen! Da weiß man, dass die Menschen in Ostbelgien wissen, was gut ist. Oder zumindest immer tapfer durchhalten.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!


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